Donnerstag, 30. Januar 2014

Nostalgie trifft Westberlin - der Savignyplatz in Charlottenburg

Der Savignyplatz, das ist ganz viel altes Westberlin mit einem großzügigen Spritzer wiedervereinigter Stadt, aber nicht zu viel gerade so, dass man nicht vergisst wo man ist, nämlich im Westen im Osten.

Ganz nüchtern betrachtet ist der Platz einfach nur eine auf beiden Seiten der Kantstraße großzügige Ausbuchtung der Straße mit ein bisschen Grünfläche und drumherum Parkplätzen gefolgt von diversen Restaurants und anderen gastronomischen Einrichtungen. Aber trotzdem hat der Savignyplatz etwas, einen ganz eigenen Zauber aus Altem und Neuem, Bewegung und Ruhe. Interessanter Weise habe ich ein paar Besuche gebraucht, bis ich mich an diesen Platz gewöhnt habe und ihn weil er genauso ist, wie er ist, in mein Herz geschlossen habe. Es ist kein Ort, dessen besondere Schönheit sich einem sofort offenbart, eher so eine Liebe auf den 4. oder 5. Blick.

Umgeben von S-Bahngeratter vom gleichnamigen S-Bahnhof und jeder Menge Straßenlärm, denn auch die Kantstraße schläft ja irgendwie nie, kann man bei gutem Wetter auf einer der Bänke entlang der Rasenflächen das Stadtleben an sich vorbei ziehen lassen. Wer mag, der trinkt beim Sehen und Gesehen werden einen Kaffee bei Einstein und liest sich parallel durch die neuesten Klatschzeitungen. Danach bummelt es sich wunderbar entspannt durch den Schuhtick und die kleinen Läden hin zum Bahnhof oder gen Bahnhof Zoo durch diverse Einrichtungsläden wie dopo domani, Rahaus und das extrem inspirierende Stilwerk. Sollte einem dabei der kleine oder große Hunger befallen, kein Problem, was darf es sein? Leckere Tapas im Mar y Sol, vielfältig Asiatisch bei Mr. Hai? Oder lieber Fusion im Schwarzen Cafe nur ein Stückchen die Straße hoch, steht der Appetit nach Italienisch, dann z.B. ab zu Petrocelli oder für Pizza ins 12 Apostel oder…oder…oder. Egal was, nicht nur das Essen ist ein Genuss sondern auch das Leute gucken, das Publikum wird spannender, je später der Abend, denn dann wandelt sich der Savignyplatz von einem trägen Westberliner Relikt zu einem munteren Plätzchen voller Leben und Vielfalt. Man trifft hier alles und jeden, das einzige, was hier abends nicht anzutreffen ist, das sind freie Parkplätze. Besonders im Sommer, wenn man großflächig vor den Restaurants in der lauen Sommernacht sitzt, vergisst man fast die eisigen Winter, die man nur wenige Monate vorher ertragen musste.


Wer nach dem Motto Geiz ist geil lebt, der sollte den Savignyplatz vielleicht besser großflächig meiden, denn billig ist hier nicht unbedingt eine Stärke, weder bei den Boutiquen noch in der Gastronomie. Wer aber nicht die teuerste Flasche Wein bestellt, der kann hier trotzdem bezahlbar genießen.

Und wer nach Platz umrunden, Augen offenhalten und einem genüsslichen Essen noch ein bisschen verweilen möchte, dem sein ein Besuch im Gainsbourg empfohlen, um nochmal so richtig in das spezielle Flair einzutauchen, das für mich die Gegend rund um den Savignyplatz ausmacht.

Ein bisschen zurückgelassene Boheme, etwas unverwüstliches Westberlin und ein wenig verzweifelte Individualität - würde ich einen Nouvelle Vague Film in Schwarz-Weiß drehen, er würde in diesem einzigartig nostalgisch angehauchten Milieu dieser Gegend spielen.

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