Donnerstag, 31. Oktober 2013

Primark in Berlin Steglitz - you get what you pay for

Es gibt Orte in Berlin, die haben ihren ganz eigenen morbiden Charme, ein bisschen wie bei einem Autounfall, eigentlich will man nicht hin aber irgendwie findet man sich doch immer wieder in den Räumlichkeiten wieder. Einer dieser Orte ist für mich eindeutig der Primark in Steglitz.

Ich kannte die Kette vorher aus England, wo sie an sich schon recht trashig ist aber für Accessoires durchaus ein modisches und günstiges Angebot aufweist.
Und da kommen wir zum für mich ersten absoluten Phänomen, das Primark hier in Deutschland und besonders in Steglitz geschafft hat. In UK trifft man mehr so auf absolutes Unterschichtenpublikum, die sich einfach nichts Teureres leisten können, wogegen hier bei uns tatsächlich Menschen aus allen Schichten glauben, ein günstiges Schnäppchen machen zu können. Kompliment, das nenne ich mal gutes Marketing! Es gibt einen regelrechten Primarktourismus von Menschen aus Städten ohne Primark, deren Berlinbesuch nicht perfekt ist, wenn sie nicht mit mindestens zwei randvolle halb angerissenen braunen Papiertüten den Laden verlassen. Für mich ein totales Phänomen, das sich Leute sowas für 3 Euro T-Shirts und 5 Euro Jeans antun, für die auch hier absolut gilt, you get what you pay for. Sprich, billige Klamotten, geschickt vermarktet und ich möchte lieber gar nicht erst wissen, wo und mit was die hergestellt werden.

Die Atmosphäre im Laden gleich ein bisschen einem überdimensionalem zweistöckigem Grabbeltisch, auf und in dem unzählige Menschen herumlaufen, die vor Betreten des Ladens ihren gesunden Menschenverstand und dazu gleich auch noch ihre guten Manieren abgegeben haben. Es wird geschubst und gedrängelt, egal ob jung oder alt, dazu werden Klamotten von den Tischen gerissen, Schuhe auf den Boden geworden und alles gleich bequem in die überdimensionalen Shoppingbehältnisse des Ladens gelegt, die richtig eingesetzt, auch als Waffe gelten können, wenn man sie der Shoppingkonkurrenz richtig in die Hacken haut.

Wenn man seine Ansprüche niedrig hält und weiß, was man hier kauft, dann kann man hier schon mal nette Dinge erstehen, so liebe ich z.B. die wunderbaren großen Teetassen, die im Kassenwartebereich angeboten werden und auch die Halstücher sind nett, wenn man sich nicht daran stört, dass man regelmäßig andere Trägerinnen in der Stadt trifft.
Denn hier gilt Masse, egal ob Accessoires oder Klamotten, das Angebot erscheint riesig, weil von jedem Stück nicht 10 sondern gleich 250 Teile bereit stehen.

Unschön finde ich den chemischen Geruch, der einen gleich umfängt, sobald man den Laden betritt, dieser ist besonders auffällig im Bereich der Handtaschen (natürlich NICHT aus Leder) und bei den genauso lederfreien Schuhen. Aber auch über der Kleidung schwebt und wabert die chemische Ausdünstung, die mir bei längerem Aufenthalt ein bisschen Kopfweh macht.

Das Personal ist hier schnell und effizient und eigentlich dauernd bemüht, das Chaos zu beseitigen, dass die kaufwütige Masse anrichtet, ein sicherlich nicht gerade leichter Job, dafür sind die Damen und Herren in der Regel aber bewundernswert freundlich.

Ein einziges Mal wollte ich Sachen anprobieren und stand dann mehr als 30 min an, um die Anprobe zu betreten. Die mitgenommenen Teile wurden abgezählt und wer mehr hatte, musste diese am Eingang abgeben und sich für eine weitere Anprobe wieder hinten anstellen. Für mich ein Grund, hier nie wieder etwas im Laden anprobieren zu wollen.


Und trotz all dieser Dinge, ertappe auch mich immer wieder plötzlich mitten in dem Laden, wenn ich in Steglitz unterwegs bin. Tief in meinem Inneren erhoffe vermutlich auch ich mir, hier irgendwann irgendwie mal ein Schnäppchen zu machen, was mich für all den Stress auf dem Weg dahin entschädigt. Und wir wissen ja alle, die Hoffnung stirbt zuletzt!

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