Freitag, 26. November 2010

So geht Banking heute?

Gestern in der Targo Bank. Ich brauche Geld, also nichts wie rein und ab an den Geldautomaten. Blond und blöd wie ich nun manchmal bin, zuerst falsche Pin. OK, kein Problem, schnell mal nachgeschaut (Nein, nicht auf dem zettel im Portemonnaie und auch nicht auf der Rückseite der Karte....) und dann zweiter Versuch mit korrekter Pin. Der Automat klappert vor sich hin, ich kann auswählen wie viel, der Automat macht weiter, es kommt keine Fehlermeldung...und dann nach einiger Zeit aber auch kein Geld. ich stehe etwas entgeistert vor dem Automaten und warte noch einen Moment, schwupps kommt aber auch meine Karte raus und der Vorgang ist durch. Aber wo ist mein Geld?
Also ab an den Tresen, wo gerade nicht besonders nett eine vietnamesische Kundin abgebügelt wird. Jo, denke ich mir, das wird ja gleich ein Spaß, wenn der Typ da jetzt schon so zickig ist. Die Dame vor mir ist fertig und ich trete an den Tisch und erkläre kurz meine Misere. Ja, sagt der Mann in seiner gestreiften Weste, da könne er mir jetzt auch nicht helfen, denn die Kollegin sei derzeit nicht im Haus, die da was machen könne. Er würde sich aber meine Kontonummer und Telefonnummer aufschreiben und dann würde sich morgen jemand bei mir melden. Aha. Und was ist mit meinem Geld? Nein, da könne er mir nicht helfen. Gut. Er schreibt sich statt meiner Kontonummer fälschlicher Weise meine Kreditkartennummer auf und vergisst dann sogar noch fast, nach meiner Telefonnummer zu fragen. Ich drücke ihm kurzerhand meine Visitenkarte in die Hand, die solle er einfach mal an den Zettel knipsen. Er schaut irritiert, das war vermutlich zu viel Information auf einmal.Ich bin mittlerweile schwer genervt, reiße mich aber tapfer zusammen, nicht einfach loszuschreien. Abschließen hätte ich gerne dann den Namen des Herren, den er mir verweigert, er schmiert statt dessen kaum lesbar den Namen der angeblich zuständigen Kollegin auf eine Karte der Bank und versichert mir, das eben diese sich sofort morgen früh bei mir melden würde. Mittlerweile ist eben jenes morgen früh und wie auch nicht anders zu erwarten natürlich noch KEIN Anruf der Targo Bank. Wie heißt das so schön in deren TV Werbung - so geht Banking heute? Na, dann Prost Mahlzeit an alle Kunden, die dort ihr Geld haben, wenn das ein Bild auf den Service dieser Bank wirft dann sicherlich kein Gutes. Mal schauen, noch ist der Tag nicht vorbei, es kann ja noch werden und die Hoffnung, ja, die stirbt ja bekannter Maßen zuletzt...

Der Tag ist vorüber und natürlich kein Anruf der Targo Bank....was soll man von so einem Verhalten halten???

Mittwoch, 24. November 2010

Ein kleines Stück vom Paradies

Gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit ist es umso wichtiger, sich um das seelische Gleichgewicht im Innern zu kümmern. Ein wunderbarer Ort um dies zu tun ist das Berliner Liquidrom, nicht allzu weit vom Potsdamer Platz entfernt und nur wenige Schritte gleich um die Ecke des Anhalter Bahnhofes. Es befindet sich im Erdgeschoss des Tempodroms, das man eigentlich nicht übersehen kann. Der recht unscheinbare Eingang befindet sich an der linken Straßenseite des Gebäudes Richtung Landwehrkanal.

Durch eine große Glastür betritt man den schlichten aber wirkungsvollen Rezeptionsbereich wo eigentlich ausnahmslos freundliche Mitarbeiter einen in Empfang nehmen und gerade beim ersten Besuch alles sehr gut erklären. Man kann entweder eine 2 Stunden Karte (19,50 €), eine 4 Stunden Karte (24,50 €) oder eine Tageskarte (29,50 €) erwerben, hat man bezahlt, bekommt man einen Chip, den man braucht, um den Schrank abzuschließen und der als Zahlungsmittel innerhalb des Liquidroms an der Bar funktioniert. Beim Verlassen bezahlt man dann, was auf dem Chip gebucht wurde.

Links an der Rezeption vorbei gelangt man zu den Umkleiden. Zwar gibt es getrennte Eingänge für Männer und Frauen, die aber durch zwei offene Gänge an den Schränken miteinander verbunden sind. Der Umkleide- und ebenso der Duschbereich danach sind immer außergewöhnlich sauber und dank der schlichten Architektur der Einrichtung schleicht sich schon hier die erste Entspannung ein. Wer allerdings keinen Beton und klare Linien mag, der wird sich hier nicht wohl fühlen.

Von den Duschen aus gelangt man in einen Gang, der gerade aus zum großen Salzbecken führt und von dem aus man zu den Saunen, dem Dampfbad, der Bar, den Innenhof und den Liegen gelangt. Hier findet man auch Glasregale, in die man seinen Handtücher, bade- und Duschsachen legen kann.

Das Herzstück des Liquidroms ist die Kuppelhalle, deren Becken mit kuschelig warmem Salzwasser gefüllt ist. Es ist soviel Salz im Wasser, dass es einen bequem trägt und man gemütlich im Wasser liegend dahin schwimmen kann. Über und unter Wasser ist entspannende Musik hörbar (regelmäßig auch mit DJs und Livemusik, Termine sind auf der Homepage einsehbar) und die langsamen Lichteffekte die sich auf dem Wasser spiegeln und an der Decke sichtbar sind tragen dazu bei, dass man sich einfach so treiben lassen kann. Reden ist hier verboten, da die Kuppel eine unglaublich verstärkende Akustik hat und sonst keiner relaxen könnte. Wem das einfach so treiben lassen unheimlich erscheint, der kann sich mit zur Verfügung stehenden Poolnudeln ausstatten. Weitere warme Salzbecken gibt es im Innenhof und noch ein kleines, das fast schon gut versteckt im Inneren liegt.

Nach dem warmen Wasser begibt man sich am besten auf eine der Liegen, die rund um die Scheiben des Innenhofes herum aufgestellt sind. Bei besonderem Glück ergattert man eine der Korbliegen mit kuscheliger Wolldecke, der perfekte Ort für ein kleines Schläfchen. Wenn es am Nachmittag sehr voll wird, werden die Liegeplätze leider knapp, da viele Leute Liegen reservieren (was eigentlich laut Schildern verboten ist) und stundenlang nicht zurückkehren, ihre Handtücher aber in guter alter Manier deponiert haben. Es gibt aber noch Hocker an der Bar, auf denen man bei einem kleinen Snack ebenfalls gut entspannen kann. Die Preise an der Bar sind nicht günstig, aber gerade die kleinen Snacks wie Bagels, Obstsalat oder Backkartoffeln sind immer frisch zubereitet und ihr Geld wert. Und das Salzwasser macht durstig, aber auch da wird einem charmant und freundlich mit diversen Getränken ausgeholfen.

Wer sich aufwärmen möchte, der kann aus einem Dampfbad, der kleinen feinen Himalaya Salzsauna (nur zwei Saunabänke vor einem warmen orangenen Salzkristallwand bei kuschligen 60 Grad, meine Lieblingsssauna), einer klassischen Finnischen Sauna mit wechselnden Aufgüssen (meist voll und gut besucht, die Zeittabelle für die Aufgüsse findet man auf der Hompage) und einer Kelo Panorama Sauna (mit breiter Glasfront zum Innenhof, von den Liegen aus einsehbar und daher nichts für prüde Besucher) wählen. Danach erwartet einen entweder der Innenhof, das eiskalte Tauchbecken oder die Regendusche zur Abkühlung. Klasse finde ich es immer, wenn die Leute aus der finnischen Sauna dampfend im Innenhof stehen, da kann man die Abkühlung förmlich sehen. Die Raucherecke erreicht man vom Innenhof aus über eine kleine Treppe.

Wer noch mehr entspannen möchte, der kann sich massieren lassen, dafür sollte man aber am besten vorher telefonisch einen Termin vereinbaren.

Klar, das Liquidrom ist sicherlich nicht der preisgünstigste Weg in Berlin, um zu entspannen, wenn man aber nur gelegentlich dort hin geht überzeugen die Sauberkeit, die Qualität des Angebotes und die wunderbare Atmosphäre. Ich mag keine großen Thermen mit viel Lärm, daher bevorzuge ich das Liquidrom, wo sich dank der verwinkelten Architektur die Menschen gut verteilen und man eigentlich nie das Gefühl hat, dass es zu voll und vor allem auch nicht zu laut ist. Alle Besucher passen sich der ruhigen und angenehmen Atmosphäre an, sind höflich und freundlich, ebenso wie die stets sehr netten und hilfreichen Mitarbeiter.

Ich mag die eher kalte, klare und schlichte Architektur, die allerdings bestimmt nicht jedermanns Sache ist. Der erste Gang in den Kuppelsaal, wenn man so langsam in das warme Salzwasser gleitet, man sich auf den Rücken legt, schwerelos der Musik lauscht und den Lichtspielen zuschaut, das ist für mich ein kleines Stück vom Paradies und ein ganz großes Stück Entspannung und ich kann es jeder gestressten Großstadtseele nur sehr ans Herz legen.

P.S.: Die üblichen Dinge wie Bademäntel, Handtücher etc. können an der Rezeption ausgeliehen werden.