Mittwoch, 15. Oktober 2008

Dunkle Welten - Berliner Unterwelten

Das Wetter wird schlechter und vor allem kälter, also sucht man sich Möglichkeiten zur Freizeitverbringung, die nicht mehr unbedingt im Freien stattfinden müssen. Eine gute Möglichkeit bietet einem dabei der Verein Berliner Unterwelten e.V. mit ihren z. T. unterirdisch abgehaltenen Führungen.

Wir nahmen am letzten Sonntag an der Tour 1 teil, die auch die Zusatzbezeichnung „Dunkle Welten“ trägt. Dabei geht es im Rahmen einer zeitgeschichtlichen Führung durch den Bunker in der Bahnanlage Gesundbrunnen, in dem sich heute das Berliner Unterwelten Museum befindet.

Der Kartenvorverkauf findet im südlichen Ausgang des U-Bahnhofes Gesundbrunnen statt und ist gut ausgeschildert und leicht zu finden. Die Karte für die von uns gewählte Führung kostet pro Person 9 Euro, für die üblichen Personen gibt es aber auch vergünstigte Tickets. Die Führung ist nicht für gehbehinderte Menschen oder Rollstuhlfahrer geeignet.

Vor dem Kartenvorverkauf ist auch der Sammelpunkt für die Führung und direkt daneben geht es eine Treppe hinunter in den Bunker, in dem die Tour 1 stattfindet. Dabei gehören zu jeder Gruppe mit Führer maximal 35 Leute, kaufen mehr Leute Karten wie bei uns, dann wird die Gruppe gesplittet.

Die Treppe hinunter betritt man durch eine recht unauffällige Tür direkt den Bunker und steht mitten in der ehemaligen Gasschleuse, wo einem erst einmal Allgemeines zum Verein Berliner Unterwelten sowie auch zum Bunker und seiner Geschichte erklärt werden. So sind z.B. alle Wandaufschriften in der Anlage noch original erhalten, wogegen das Inventar direkt nach dem Krieg herausgeräumt und der Bunker mit Kriegsschutt aufgefüllt wurde. Der verein hat den Bunker dann wieder entdeckt und begehbar gemacht, so dass heute die Führungen statt finden können. Im Rahmen der Führung wandert man von Raum zu Raum, in denen zum Teil wieder altes oder Ähnliches Inventar von früher zu finden ist und die beklemmende und beengende Atmosphäre wieder spiegelt. In Vitrinen findet man Exponate zu dem thematisch nach Schwerpunkten befüllten Räumen und z. T: Originaltafeln erklären z. B: die im 2. Weltkrieg verwendeten chemischen Kampfstoffe oder Fliegerbomben. Treppauf und treppab erkundet man unter der Führung die Räume, bekommt die Besonderheiten anschaulich und sehr gut verständlich erklärt und ist im geheimen froh, nicht als Zeitzeuge geboren worden zu sein. Die Bunkerräume sind klein und an den Wänden kann man jeweils lesen, wie viele Leute vormals pro Raum aufgenommen werden sollten, natürlich waren es aber immer viel mehr Menschen, die dann bei den Fliegerangriffen dort auf schmalen Holzbänken gekauert und gebangt haben, in stickiger Luft und ohne Lüftung. Erschreckend auch zu wissen, dass der Bunker mehr als Splitterschutz gedient hat, denn die Wanddicke hätte nie einen Volltreffer ausgehalten, es wären dann alle Schutzsuchenden auf einen Schlag ausgelöscht worden. Denn der Bunker war ursprünglich nur Betriebsgelände der BVG; die dort Betriebsräume in bequemer U-Bahnnähe untergebracht hatten. Erst als es zu wenig zivile Schutzeinrichtungen gab, wurden die Räume zum Bunker umfunktioniert. Gegen Ende des Rundganges ging es dann mehr um die Berliner Unterwelt im Allgemeinen, so widmete sich ein Raum der alten Rohrpost und im letzten Raum ging es um die Erbauung der Berliner U-Bahn.

Die Führung dauert rund 90 Minuten und ist wirklich interessant gestaltet. Unsere Führerin hatte wirklich Spaß an ihrer Arbeit und erklärte alles mit kleinen Anekdoten und Geschichten gespickt so gut, das man gar nicht anders konnte als ihr gebannt zu lauschen.

Ein guter Einstieg in die Geschichte der Berliner Unterwelt, der neugierig auf die anderen Führungen macht und es war sicherlich nicht die einzige Führung, an der wir teilgenommen haben!

Toll, was ein privater Verein mit ehrenamtlichen Mitgliedern auf die Bühne gestellt hat. Ich kann die Berliner Unterwelten nur jedem Berlinbewohner oder –besucher empfehlen!

Eine genaue Übersicht über die täglich angebotenen Touren bekommt man auf der Homepage des Vereins.

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