Samstag, 27. September 2008

Berlin zu mögen…

…ist nicht einfach oder dann am Ende doch viel einfacher als man dachte. Hört sich komisch an? Ist aber so! Berlin ist spezial, und damit ist jetzt nicht das Besondere gemeint, sondern in Berlin ist vor allem das ganz Alltägliche besonders. Wie das geht? Ganz einfach. Man nehme eine runtergekommene ehemalige Metropole, die plötzlich durch ein Großereignis, wir nennen es einfach mal „Wiedervereinigung“, plötzlich von einer minderbemittelten und bezuschussten Randlage in eine noch mehr bezuschusste dafür aber eher zentralere Lage unter dem Titel rutscht und schwups hat man sie, eine neue alte Hauptstadt. Alle finden das aufregend, nur nicht die Bewohner selber, schließlich waren sie eh schon immer etwas Besonderes und wurden dadurch nur in ihrem Selbstwertgefühl bestätigt. Plötzlich wird alles bunt, wo früher das sozialistische Einheitsgrau regiert hat, Leute ziehen in die Stadt, die früher mehr in Süd- und Mitteldeutschland gewohnt haben und plötzlich werden Bezirke in, in denen früher nur die gewohnt haben, die nicht anders konnten. Eine Umwandlung, fast schon Parthogenese, eine Stadt zeugt sich neu, ganz von alleine, arm aber sexy, be Berlin! Das Ergebnis sagt nach wie vor „Wa!“ und „icke“, hat sich aber fein gemacht und gibt sich ganz international und offen, auch wenn die Bewohner nach wie vor selber ihren Kiez nur für den jährlichen Urlaub verlassen. Wer nicht hier lebt, findet das seltsam, für alle Einheimischen ist es aber ganz normal und nichts Besonderes, alltäglich eben. Gegessen wird im Laufen und dank der neuen Coffee Shops gibt es jetzt auch endlich genug Coffee to go, um die Meute zu verköstigen, bloß nicht stehen bleiben, immer in Bewegung bleiben. Die BVG ist dabei zu spät, wie immer, und der Bus auch wieder viel zu voll, in den Straßen stauen sich die Autos und wer nicht aufpasst wird von einem Radfahrer über den Haufen gefahren, ganz schnell mit den Worten: „Was stehst Du auch im Weg!“. Hart, aber ehrlich, so wie die Stadt selber. Berlin kann glücklich machen, im Sonnenschein im Café oder Park oder verbittern bei Eiseskälte und sibirischen Ostwind. Dabei kann man die gefühlte Temperatur stets im Gesicht der Bewohner ablesen. Und irgendwann wacht man plötzlich auf und fühlt den Puls der Stadt und will bleiben oder will nur noch weg, Berlin, lieben oder verlassen, für immer oder nie wieder, ein "Vielleicht" gibt es hier nicht.

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